Wozu der Standard da ist
Der Rassestandard ist keine Schönheitscheckliste. Er ist die funktionale Beschreibung eines Hundes, der für eine bestimmte Aufgabe gebaut wurde: ein kurzhaariger, kurz gekoppelter Terrier von großer Kraft im Verhältnis zu seiner Größe, wendig genug, um auf der Stelle zu drehen, und gesund genug, um den ganzen Tag zu arbeiten. Jede Formulierung existiert, weil sie etwas beschreibt, das der Hund brauchte, um zu funktionieren.
Das ist bei der Welpenwahl entscheidend, denn es erlaubt die Unterscheidung zwischen einem typvollen und einem bloß übertriebenen Hund. Beides wird häufig verwechselt, und die Verwechslung zeigt ihre Folgen erst Jahre später: ein Hund, der im August nicht atmen oder nicht ohne Wackeln traben kann.
Erscheinungsbild und Proportionen
Der Staffordshire Bull Terrier soll kurzhaarig, gut ausbalanciert, von großer Kraft für seine Größe sowie aktiv und wendig sein. Die Widerristhöhe liegt zwischen 35 und 40 Zentimetern, das Gewicht zwischen 11 und 17 Kilogramm, Rüden am oberen, Hündinnen am unteren Ende.
Die wichtigste Proportion wird oft übersehen: der Hund soll geringfügig länger als hoch sein, kurz gekoppelt, mit gerader oberer Linie. Ein quadratischer oder hochläufiger Hund verliert die charakteristische Silhouette; ein langer, niedriger Hund hat die geforderte Wendigkeit eingebüßt. Das Gleichgewicht zwischen Substanz und Beweglichkeit ist der eigentliche Punkt.
Kopf und Ausdruck
Der Kopf ist das auffälligste Merkmal der Rasse und leider dasjenige, das der Mode am stärksten unterliegt. Der Standard verlangt einen kurzen, tiefen Schädel, einen breiten Kopf, sehr ausgeprägte Wangenmuskulatur, einen deutlichen Stopp und einen kurzen Vorgesichtsschädel. Das Wort kurz leistet hier wichtige Arbeit, und ebenso das Fehlen jedes Wortes, das nicht vorhanden bedeutet.
Ein korrekter Staffordshire Bull Terrier hat einen im Verhältnis zum Schädel kurzen, aber deutlich vorhandenen Fang, mit gut entwickelten Nasenlöchern und ausreichend Länge für ein vollständiges, korrekt gestelltes Gebiss. Die Tendenz mancher Ausstellungslinien zu immer kürzeren, immer breiteren Fängen erzeugt Köpfe, die auf Fotos beeindrucken, und Hunde, die im Schatten hecheln. Das beschreibt der Standard nicht.
Die Augen sind vorzugsweise dunkel, rund, mittelgroß und geradeaus blickend. Die Ohren sind Rosen- oder Halbstehohren; vollständig hängende oder vollständig stehende Ohren sind Fehler. Das Gebiss muss ein Scherengebiss sein, mit vollständigem Zahnbestand. Vor- und Rückbiss sind schwere Fehler.
Körper, Vorhand und Hinterhand
Der Körper ist kurz gekoppelt mit gerader Rückenlinie, breiter Front, tiefer Brust und gut gewölbten Rippen. Die Brust vermittelt Kapazität, ohne tonnenförmig zu werden, und die Unterlinie zeigt eine mäßige Aufziehung.
Die Vorderläufe sind gerade und gut beknocht, weit auseinander gestellt, die Pfoten nur leicht nach außen gedreht. Gebogene oder deutlich nach außen gedrehte Läufe sind Fehler und keine Rassemerkmale — ein verbreiteter Irrtum. Die Hinterhand ist gut bemuskelt mit gut gewinkelten Knien und tief angesetzten Sprunggelenken, und genau hier sind viele sonst gute Hunde am schwächsten, weil hintere Winkelung leicht verloren geht und schwer zurückzugewinnen ist.
Die Rute ist mittellang, tief angesetzt, sich verjüngend, eher tief getragen und niemals über dem Rücken eingerollt.
Bewegung: hier zeigt sich die Wahrheit
Ein stehender Hund kann vieles verbergen, ein bewegter Hund nichts. Der Standard verlangt freie, kraftvolle und wendige Bewegung mit sparsamem Krafteinsatz, mit kraftvollem Schub aus der Hinterhand und deutlich paralleler Bewegung von vorn wie von hinten betrachtet.
Achten Sie auf einen Hund, der wackelt, mit den Vorderpfoten rudert oder hinten eng geht. Achten Sie vor allem darauf, wie der Hund nach einigen Minuten Trab atmet. Ein Hund, der nach zwei Ringrunden geräuschvoll atmet, hat ein Problem, das der Standard nie vorgesehen hat, und keine noch so korrekte Silhouette gleicht das aus.
Farben
Zugelassen sind Rot, Falb, Weiß, Schwarz oder Blau, jeweils auch mit Weiß, sowie jede Schattierung von Gestromt und Gestromt mit Weiß. Schwarz-Loh und Leberfarben sind ausdrücklich nicht zugelassen, ebenso wenig die als Blue Merle oder ähnlich vermarktete Verdünnung, die in dieser Rasse gar nicht vorkommt.
Die Farbe sollte die Wahl zuletzt beeinflussen und ist die erste Frage der meisten Käufer. Ein Züchter, der Welpen nach Fellfarbe bepreist, sagt Ihnen damit, wo seine Prioritäten liegen.
Fehler und ihre Gewichtung
Der Standard hält fest, dass jede Abweichung als Fehler zu betrachten ist und dass die Schwere des Fehlers in genauem Verhältnis zu seinem Ausmaß und seiner Auswirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes stehen soll. Dieser letzte Satz ist der wichtigste des gesamten Dokuments — und der am häufigsten übergangene.
So gelesen ist ein etwas helles Auge eine kosmetische Frage. Ein so kurzer Fang, dass der Hund überhitzt, ein so starker Vorbiss, dass Zähne nicht aufeinandertreffen, oder eine so breite Front, dass die Ellenbogen den Brustkorb nicht freibekommen, sind Wohlbefindensfehler. Ein Richter, und ein Züchter, sollten sie nicht gleichsetzen.
Was das bei der Betrachtung eines Wurfes bedeutet
Mit acht Wochen beurteilen Sie kein Ausstellungspotenzial, und wer Ihnen einen Champion garantiert, rät. Beurteilen können Sie die Eltern: Proportionen, Gebiss, Bewegung und vor allem die Atmung nach Belastung. Bitten Sie darum, beide Elterntiere in Bewegung zu sehen, nicht nur im Stand — und wenn möglich an einem warmen Tag.
Ein Welpe aus zwei typvollen, gesunden Eltern, die sich in ihrem eigenen Körper wohlfühlen, wird mit weit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso. Genau das will der Standard schützen.
Häufige Fragen zum Standard
Wie schwer darf ein Staffordshire Bull Terrier sein? Der Standard nennt 11 bis 17 Kilogramm bei einer Widerristhöhe von 35 bis 40 Zentimetern. Entscheidend ist das Verhältnis: ein Hund von 17 Kilogramm bei 36 Zentimetern ist zu schwer, derselbe bei 40 Zentimetern ist stimmig.
Gibt es den "Staffy in Miniaturausgabe"? Nein. Zwergformen dieser Rasse existieren nicht. Wer sie anbietet, verkauft entweder einen untypischen Hund oder eine Mischung, in beiden Fällen ohne anerkannte Papiere.
Sind blaue Hunde erlaubt? Blau ist eine zugelassene Farbe. Blau ist jedoch häufiger mit der Farbmutantenalopezie verbunden, und ein Preisaufschlag für blaue Welpen ist ein Warnsignal, kein Qualitätsmerkmal.
Muss ein Zuchthund ausgestellt worden sein? Nicht zwingend, aber eine unabhängige Beurteilung im Ring ist ein nützliches Korrektiv gegen Betriebsblindheit. Wichtiger sind dokumentierte Gesundheitsergebnisse.