Home
Welpen → Welpen → Zuchtprogramm
Hunde → Rüden → Hündinnen → Palmares
Zuchttagebuch Über uns Blog FAQ Bewertungen Kontakt
Italiano English Deutsch
L2-HGA und HC Gentests Staffordshire Bull Terrier
Gesundheit und Wohlbefinden

Gentests L2-HGA und HC

Vollständiger Leitfaden für Staffordshire Bull Terrier

📅 20. November 2025 ⏱️ 12 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: L2-HGA (L-2-Hydroxyglutarsäureurie) und HC (Hereditäre Katarakt) sind zwei genetische Krankheiten spezifisch für den Staffordshire Bull Terrier. Beide werden autosomal-rezessiv vererbt: ein Welpe kann nur erkranken, wenn beide Eltern Träger sind. Ein verantwortungsvoller Züchter testet immer Zuchttiere und verpaart niemals zwei Träger.

Warum Gentests nicht optional sind

Der Staffordshire Bull Terrier ist eine grundsätzlich gesunde Rasse, trägt aber zwei erbliche Erkrankungen, die schwerwiegend und zugleich vollständig vermeidbar sind: L2-HGA und die hereditäre Katarakt. Beide werden rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass ein Hund die Mutation tragen, ein Leben lang völlig gesund bleiben und trotzdem betroffene Welpen zeugen kann, wenn er mit einem anderen Träger verpaart wird.

Genau diesen Punkt übersehen viele Käufer. Sichtbar gesunde Elterntiere beweisen nichts über die Welpen. Nur ein DNA-Test der Eltern zeigt, ob ein Wurf betroffene Hunde hervorbringen kann. Seit diese Tests verfügbar sind, sind beide Erkrankungen in der verantwortungsvollen Zucht praktisch verschwunden. Wenn heute ein betroffener Welpe geboren wird, ist das fast nie Pech, sondern die Folge einer Verpaarung ohne Test.

L2-HGA: was es ist und wie es sich zeigt

Die L-2-Hydroxyglutarazidurie ist eine Stoffwechselerkrankung, verursacht durch eine Mutation im L2HGDH-Gen. Der betroffene Hund kann ein Molekül namens L-2-Hydroxyglutarsäure nicht korrekt abbauen. Es reichert sich in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit an und schädigt fortschreitend das zentrale Nervensystem.

Die Symptome zeigen sich meist zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem ersten Lebensjahr, gelegentlich später. Besitzer berichten von Episoden mit Koordinationsverlust und Taumeln, Zittern, Muskelsteifheit nach Belastung oder Aufregung, Verhaltensänderungen und in vielen Fällen Krampfanfällen. Zwischen den Episoden wirkt der Hund fast normal, was die Diagnose verzögert und falsche Hoffnung weckt.

Eine Heilung gibt es nicht. Eine angepasste Diät und Antikonvulsiva können die Häufigkeit der Episoden verringern, doch die Erkrankung schreitet fort und die Prognose ist schlecht. Für eine Familie, die ein Jahr lang einen Welpen aufgezogen hat, ist die Diagnose verheerend, und sie kostet emotional wie finanziell, solange der Hund lebt.

Hereditäre Katarakt: was es ist und wie es sich zeigt

Die hereditäre Katarakt dieser Rasse, verursacht durch eine Mutation im HSF4-Gen, ist nicht der Altersstar, den man bei alten Hunden jeder Rasse sieht. Sie tritt früh auf, typischerweise zwischen dem vierten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr, betrifft beide Augen und schreitet fort.

Die Linse trübt sich zunehmend ein, und der Hund verliert das Augenlicht, meist vollständig und oft vor seinem dritten Geburtstag. Eine Operation kann in ausgewählten Fällen brauchbares Sehvermögen wiederherstellen, ist aber teuer, nicht immer erfolgreich und erfordert einen Fachtierarzt für Augenheilkunde. Auch hier gilt: die Erkrankung ist durch einen Test vor der Verpaarung vollständig vermeidbar.

Wie die Tests funktionieren

Die Tests basieren auf DNA und sind unkompliziert. Ein Wangenabstrich oder eine kleine Blutprobe wird entnommen, idealerweise vom Tierarzt, der zugleich den Mikrochip des Hundes überprüft, damit die Probe eindeutig diesem Tier zugeordnet ist, und an ein akkreditiertes Labor geschickt. Das Ergebnis liegt nach zwei bis vier Wochen vor und gilt lebenslang: die DNA verändert sich nicht, ein Hund wird einmal getestet und nie wieder.

Die Kosten unterscheiden sich je nach Labor und Land, für beide Tests zusammen sind etwa achtzig bis hundertfünfzig Euro realistisch. Verglichen mit den Kosten einer lebenslangen antikonvulsiven Behandlung oder einer Kataraktoperation ist das eine unbedeutende Summe. Deshalb betrachtet kein ernsthafter Züchter diese Ausgabe als freiwillig.

Ergebnisse richtig lesen

Frei (clear) bedeutet zwei normale Genkopien. Der Hund kann weder erkranken noch die Mutation weitergeben.

Träger (carrier) bedeutet eine normale und eine mutierte Kopie. Der Hund erkrankt selbst nie und ist kein fehlerhaftes Tier: ein Träger mit hervorragendem Typ und Wesen ist ein völlig legitimer Zuchthund, sofern er ausschließlich mit einem freien Partner verpaart wird. Jeder Welpe aus einer solchen Verpaarung ist gesund, wobei die Hälfte wiederum Träger sein wird.

Betroffen (affected) bedeutet zwei mutierte Kopien. Der Hund wird erkranken und darf niemals in die Zucht.

Die eine Regel, die die Rechnung sicher macht, lautet: Träger mal Träger darf nie vorkommen. Aus dieser Verpaarung geht statistisch jeder vierte Welpe betroffen hervor. Alles andere ist beherrschbar.

Frei durch Abstammung

In Ahnentafeln findet sich oft der Vermerk, ein Hund sei "frei durch Abstammung" oder "hereditär frei". Das bedeutet, dass der Hund selbst nicht getestet wurde, beide Elterntiere aber getestet frei sind, wodurch es genetisch unmöglich ist, dass er die Mutation trägt.

Das ist zulässig und wird von den Zuchtverbänden anerkannt, hängt aber vollständig von der Richtigkeit der Abstammung ab. Es gilt für eine Generation und fällt in sich zusammen, wenn eine Elternangabe falsch ist. Für einen Hund, der in der Zucht eingesetzt werden soll, bevorzugen wir unabhängig davon den direkten Test. Für einen Familienwelpen ist "frei durch Abstammung" bei zwei direkt getesteten Eltern völlig beruhigend.

Was Sie den Züchter fragen sollten

Verlangen Sie die Laborzertifikate beider Elterntiere als Dokument, mit lesbaren Namen der Hunde, Mikrochipnummern und Laborangabe. Ein seriöser Züchter schickt sie ohne Zögern und oft, bevor Sie fragen.

Vorsicht ist geboten bei: der Formulierung "die Eltern sind gesund, wir hatten nie Probleme", die eine ganz andere Frage beantwortet; Zertifikaten, die Sie angeblich später erhalten; der Weigerung, Unterlagen vor einer Anzahlung zu zeigen; Ergebnissen, die nur als Screenshot vorliegen; und der Behauptung, Tests seien überflüssig, "weil unsere Linien das nie hatten". Keine Linie ist von einer rezessiven Mutation ausgenommen, solange sie nicht getestet ist.

Über die beiden DNA-Tests hinaus

Gentests sind die Untergrenze, nicht das Ziel. Ernsthafte Zuchtprogramme dieser Rasse umfassen zusätzlich eine jährliche augenärztliche Untersuchung durch einen ECVO-Spezialisten, die Befunde erfasst, die kein DNA-Test abdeckt, etwa PHPV und Distichiasis; eine offizielle Auswertung von Hüfte und Ellenbogen, die in dieser Rasse mehr Gewicht hat, als allgemein zugegeben wird; und eine kardiologische Untersuchung.

Zunehmend wird auch die Atemqualität beurteilt. Der Staffordshire Bull Terrier ist keine brachyzephale Rasse, doch die Tendenz zu immer kürzeren Fängen in manchen Ausstellungslinien hat Folgen. Ein Hund, der bei Wärme oder nach mäßiger Bewegung Mühe hat, hat ein Wohlbefindensproblem, unabhängig davon, wie er im Stand aussieht.

Kosten der Vorsorge gegen Kosten der Krankheit

Beide Elterntiere zu testen kostet einmalig etwa hundert Euro. Die Lebenszeitkosten eines an L2-HGA erkrankten Hundes gehen in die Tausende, und eine Kataraktoperation an einem Auge kostet ungefähr so viel wie der Welpe selbst. Die eigentliche Frage ist aber nicht das Geld. Sie lautet: eine Familie, die sich bewusst für eine gesunde Rasse und einen Welpen mit Papieren entschieden hat, sollte nie in diese Lage kommen, wenn ein Wangenabstrich und drei Wochen Wartezeit es vollständig verhindert hätten.